
Mit diesem 'townhouse' Ausbau gelingt OOW die Verwandlung zu Räumen von seltener Klarheit: ganz in Grau, viel Sichtbeton, für ein auf das Minimum reduziertes Leben. Die Gestaltung spricht eine stringente, kraftvolle und klare Sprache — ein Ausbau auf Galerie-Niveau, in dem millimetergenaue Fugen, verborgenes Licht und nahezu unsichtbare Beschläge zeigen, das Luxus oft in der Ausarbeitung des Details zu finden ist.
Der Auftrag war von Beginn an kompromisslos: „Wir lieben den Beton und wünschen uns ein Haus das sich auf das nötigste beschränkt‘. Darüber hinaus sollte möglichst alles an Besitz seinen ständigen Stauraum haben, für ein meditatives Sein ohne Ablenkung. Diese geradezu asketischen Vorgaben hat OOW umgesetzt in visuelle Ruhe, Kontrolle und in handwerklicher Präzision, ohne Kühl zu wirken.
Minimalismus erfordert auch Geschick in der Umsetzung – so hat einziger Tischler Wandverkleidungen, Türen, Einbauten und Möbel nach den 1:1- Detailzeichnungen von OOW gefertigt: durchlaufende Schattenfugen, grifflose Öffnungen über Eingriffsfugen und feine Lederlaschen sowie eine flächenbündige Drehtür, die exakt mit der Glaswand des Treppenhauses fluchtet und in einer Nische verschwindet.
Licht wird dabei wie ein weiteres Material geplant – die LED-Bänder mit hohem Farbwiedergabeindex liegen unsichtbar in der feinen Fuge zwischen Wand und Decke und verdeckt hinter der Treppenwange die dadurch skulptural erscheint — dimmbar, bewusst ohne Smart-Home-Automation, geschaltet per Taster. Das Ergebnis ist ruhig und entschieden zugleich: Kanten zeichnen, Flächen lesen sich klar, das Treppenhaus wird zum verbindenden Elementund verbindet die Ebenen mit leiser Dramatik.

Die Materialien sind reduziert, nicht reduktiv. Der rohe Sichtbeton — von den Bauherren geliebt — definiert die galeriehafte Tonalität. Ein hell geschliffener Marmor-Terrazzo steigert wirkt Edel und erweist sich dennoch im Alltag als robust. Die Küche tritt hinter hellgrauen, lackierten Paneelen zurück: alle Geräte sind unsichtbar, sogar der Backofen wird durch eine abnehmbare Sonderblende vollständig verdeckt.
Die Akustik — klassischer Schwachpunkt minimalistischer Räume — ist unsichtbar mitgedacht. Wandpaneele hängen vor Trockenbauwänden; im Zwischenraum baut sich Schallenergie ab. Der Raum klingt so gelassen, wie er aussieht.
Im Obergeschoss wird die strenge Zonierung zu geordneter Offenheit. Ein raumhoher Spiegel erdet die begehbare Garderobe; eine flächenbündige Pivot-Tür setzt die Linie der Treppenhausverglasung fort und verschwindet geöffnet elegant in der Wandnische. Im Bad steht die Materialität im Mittelpunkt: eine maßgefertigte Betonwanne, mit weicher und schmeichelnder Oberfläche (Acrylgas Schalung) gegossen, mit Bienenwachs versiegelt — ein Making-of-Video von OOW dokumentiert den Prozess. Darüber inszenierte Leuchten brechen sich im Wasser und zeichnen bewegte Reflexe über Wände und Decke.