SVENJA TARABUSI

„Viele Büros geben sich familienfreundlich – hier ist man es wirklich“

Karriere in Teilzeit? In einem Architektur-Büro? Das geht. Oow-Associate Svenja Tarabusi erzählt im Interview von ihrem ungewöhnlichen Werdegang – und wie sie als zweifache Mutter ein Großprojekt mitgestaltet.

In vielen Branchen klagen junge Leute über befristete Jobs – lange war das auch ein Problem in der Architektur. Du feierst in diesem Jahr achtjähriges Jubiläum bei oow. Wenn du einmal zurück blickst: Wie hat sich die Branche gewandelt?

Ziemlich gravierend! Damals gab es hauptsächlich befristete Verträge und es war fast schon usus, dass man nach dem Abschluss von einem Büro zum anderen gezogen ist. Heute dagegen wird so viel gebaut, dass Fachkräfte fehlen. Nun sind es die Bewerber, die sich die Studios aussuchen können. Das Ganze hat sich um 180 Grad gedreht.

Du hast bei oow auch befristet angefangen, allerdings kam dann schnell die Festanstellung. Wie lief das ab?

Ich habe zwei Jahre für oow gearbeitet, als ich schwanger wurde. Ehrlich gesagt war zu der Zeit die Kombi aus befristetem Vertrag und Schwangerschaft nicht wirklich karrierefördernd. Aber Sebastian und Mathis haben komplett anders reagiert als es wahrscheinlich 99 Prozent aller anderen Arbeitnehmer getan hätten. Sie haben mir eine Festanstellung angeboten! Damals hatten sie nur eine Festangestellte. Es war ein großer Vertrauensbeweis, den sie mir damit entgegenbrachten. Sie wollten mir zeigen, dass sie mich unbedingt halten wollten. Gerade in dieser Situation. Das war wirklich toll!

Inzwischen bist du sogar zweifache Mutter und warst dreieinhalb Jahre in Elternzeit. Nun bist du seit drei Jahren wieder halbtags im Büro. Kann man als Architektin gut in Teilzeit arbeiten?

Hier ja! (lacht) Jeder weiß, dass ich nur vormittags arbeite, und das klappt wirklich problemlos. Hinzu kommt, dass ich auch noch im Homeoffice bin. Ich wohne am Stadtrand und würde über eine Stunde ins Büro fahren. Mit zwei kleinen Kindern wäre das ein erheblicher Aufwand. Aber auch da sind mir Sebastian und Mathis entgegengekommen und haben es ermöglicht. Viele Unternehmen geben sich ja heutzutage familienfreundlich, ohne es wirklich zu sein. Hier wird es dagegen gelebt und die Chefs schauen, wie sie auf jeden Einzelnen eingehen können! Ich wurde sogar in Teilzeit und im Homeoffice befördert. Das war eine tolle Anerkennung.

Ist der Beruf eigentlich so wie du ihn dir vorgestellt hast?

Jein. (lacht) In der Schule hatte ich Kunst und Mathe als Leistungskurse und die Architektur vereint tatsächlich den mathematischen und künstlerischen Aspekt. Ich hätte es mir aber definitiv nicht so komplex vorgestellt und wusste gar nicht, dass es so viele Fachplaner gibt, die ein Architekt „managen” muss. Etwas Statik zum Beispiel hatten wir natürlich auch im Studium, aber im Berufsalltag berechnet der Statiker und nicht wir, das war mir vorher nicht bewusst. Es ist auf jeden Fall ein wahnsinnig abwechslungsreicher Beruf und es ist toll, ein Projekt von Anfang an zu begleiten und natürlich irgendwann den Bau zu sehen!

Du warst zum Beispiel für das Itzel-Sanatorium verantwortlich. Welche Abschnitte hast du bei diesem Projekt betreut?

Ich war wirklich überall involviert, was es so spannend gemacht hat. Ich bin in der Entwurfsphase in das Projekt eingestiegen, habe dann die Baugenehmigung bearbeitet und bin nun an der Ausführungsplanung dran. Als Nächstes kommt dann die Ausschreibung auf mich zu. Die Begleitung auf der Baustelle in Bonn macht ein Kollege, aber bei anderen Projekten bin ich natürlich auch vor Ort. Mir gefällt es auch, dass ich nicht nur für eine Sache zuständig bin, sondern einem Bau wirklich „beim Wachsen” zusehen kann. Man hat einfach einen ganz anderen Bezug zu dem Bauwerk.

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