Projekt

Konzerthaus Nünberg

Kunde
Stadt Nürnberg
Consultants
AMPC London
Sound Space Design
ARUP Deutschland
Leistungen
Wettbewerb
Wettbewerbsbeitrag für das neue Konzerthaus in Nürnberg

Konzerthaus Nürnberg

Unser Wettbewerbsteittrag ist ein Konzertsaal als „Weinberg im Schuhkarton“ – ein Konzerthaus im Park und mit Park auf Dächern und in Gewächshäusern. Der Saal an sich vereint das Beste von zwei Systemen – die ‚Schuhschachtel‘ bietet einen perfekten akustischen Rahmen, das aus der Berliner Philharmonie bekannte Sitzen in weinbergartig angeordneten Gruppen sorgt für das Beste Besuchererlebnis. Die Atrien laden zum Flanieren ein und erfüllen als klimatischer Puffer mit Begrünung durch ausgewachsene Bäume eine wichtige Rolle für das Nachhaltigkeitskonzept.

Stadträumliche Einbindung - selbstbewusste Rücksichtnahme

Die neue Konzerthalle schmiegt sich rücksichtsvoll und doch selbstbewusst an die Meistersingerhalle. Von Ihrem denkmalgeschützten Vorfahr übernimmt Sie als grundlegendes Gestaltungselement einen 7,5m hohen Sockelbau, aus welchem nur der Konzertsaal als kubisches Volumen heraussticht. Der Sockel legt sich als strenges Rechteck mit seiner langen Seite an die westliche Flanke der Meistersingerhalle und formt zwei Plazas mit unterschiedlichen Qualitäten: zwischen dem Eingangspavillon der Meistersingerhalle und der Konzerthalle entsteht eine zur Stadt offene Plaza, welche die Besucher empfängt und zu den Eingängen leitet. Sie wird durch den Baumbestand geprägt und um die Bäume mäandernde Fußwege ergänzt. Zwischen Konzerthalle und Kleinem Saal entsteht eine langgetreckte Plaza mit urbanem Charakter – flankiert von den zwei Gebäudefassaden und dem Verbindungsanbau stellt diese zweite Plaza die Verbindung der weiteren Eingänge, dem Parkplatz und dem Hotel her. Der Sockelbau der Konzerthalle wird mit einer allseitig auskragenden Dachscheibe geschlossen. Sie nimmt am Dachüberstand genau die Attikahöhe der Meistersingerhalle auf und schützt die Besucher beim Betreten des Gebäudes vor der Witterung. Zur Stadt und in Richtung Hotel bildet das weit auskragende Dach wettergeschützte Bereiche zum Ankommen der Besucher und auch für die ankommenden Künstler.

Masterplan

Der Konzertsaal - Weinberg im Schuhkarton

Der Konzertsaal ist das Herz des Gebäudes. Er vereint die Vorzüge der zwei grundlegenden Saaltypen: Schuhschachtel und Weinberg. Die akustische Breite des Saales beträgt in Anlehnung an die weltbesten Konzertsäle 23m und wird durch ein Raum-im-Raum-Konzept mit Hilfe von konvexen Wandpaneelen erzeugt. Diese werden von einem 28m breiten, kubischen Raumvolumen umschlossen. Die geringe Breite des inneren Raumes erzeugt Klangklarheit und das Gefühl, in die Musik einzutauchen - durch kurze, seitliche Reflexionswege. Das größere Volumen des äußeren Raumes hingegen sorgt für den gewünschten Nachhall und Räumlichkeit im Klang. Für kleine Ensembles wird so ein kraftvoller Klang geschaffen, ohne das Klangbild eines großen Orchesters zu überfrachten. Ein Soundreflektor über der Bühne unterstütz die Klarheit der Musik, insbesondere der Streicher und sorgt für perfekte Hörbarkeit zwischen den einzelnen Musikern des Orchesters. Er beherbergt auch Teile des Bühnenlichts. Die Besucher im Parkett werden auf drei Ebenen von schmalen, ein- bis zweireihigen Balkonen umringt, die in geschwungenen Formen um den gesamten Saal laufen und ein intimes „Weinberggefühl“ in die Schuhschachtel bringen, eine emotionale und enge räumliche Verbindung zwischen Besuchern und Künstlern. Auf den Rängen ist die Mehrzahl der Besucher auf steilen Emporen am Saalende platziert. Alle Besucher haben einen hervorragenden Blick auf die Bühne. Auf allen Saalebenen ist der Zugang zu rollstuhlgerechten Sitzplätzen möglich. Auf Ebene 1 und 2 des Saales sind Regieräume mit Blick auf die Bühne vorgesehen. Der Saal ist vom umgebenden Foyer mit Nebenräumen konstruktiv getrennt. Aufgrund der ausreichenden Entfernung zur Straßenbahn lagert er auf einer eigenen 1m starken Fundamentplatte ohne weitere Dämpfungen. Zu allen Bereichen ist der Saal durch Schleusen getrennt.

„Mein größter Traum als Architekt: einen Konzertsaal planen!“

Hinterhaus – Funktion mit Raumqualität und ohne Rückseite

Das Hinterhaus befindet sich im direkten Anschluss an die Bühne im südlichen Teil des Sockelbaus. Anlieferung mit Lagern, Künstlerräume und Bühne sind ebenerdig mit effizienten und kurzen Wegen, ohne Treppen oder Rampen organisiert. Anliefernde LKWs oder Orchester-Busse stoßen in den Anlieferhof und verschwinden hinter einem Tor. Ein kleiner Lichthof bildet eine weitere Referenz zur Meistersingerhalle. Er sorgt dafür, dass alle Künstlerräume mit Tageslicht versorgt werden können. Die Künstlerlounge erstreckt sich als offener Raum über zwei Etagen und bindet die wenigen zusätzlichen Künstlerräume im 1. OG an. Als zentraler Ort, direkt hinter der Bühne, ist die Lounge ansprechender Verweilort mit Blick in den Innenhof, sowie gleichzeitig Verteilerpunkt zwischen Seitenbühnen, Künstlergarderoben und WCs. Über den Künstlerräumen im Erdgeschoss befinden sich die Verwaltungsbüros.

Grundriss Erdgeschoss

Vorderhaus – sehen und gesehen werden

Der Haupteingang zum neuen Konzerthaus befindet sich an der neuen Plaza, gegenüber dem Haupteingang der Meistersingerhalle und formt so ein funktionales Ensemble der zwei Gebäude. An der Nordfassade erhebt sich in drei großzügigen Läufen eine weite Treppe zu den Rängen des Saals. Im Emporklimmen ergeben sich Ausblicke in die verschiedenen Foyerbereiche und auf die umgebende Stadt.

Die Funktionsbereiche des Foyers sind als zweite Haut um den Saal angeordnet. Auf allen Ebenen befinden sich hier WCs, Garderoben und Catering, sowie die Fluchttreppenräume und Aufzüge.

Im Erdgeschoss wird das Vorderhausmanagement in einem freistehenden Kubus untergebracht. Entsprechend bildet ein zweiter Kubus weitere Garderoben und die große Bar. Sie befindet sich nahe der Verbindung zur Meistersingerhalle in einem Foyerbereich, der auch nach Veranstaltungen separat betrieben werden kann. Der anschließende Chorprobenraum bietet die Möglichkeit für kleinere Veranstaltungen an diesem Drehkreuz des Gebäudes.

Eine Verbindung in alle Richtungen

Die Anbindung zwischen Meistersingerhalle und Konzerthaus trennt zwangsläufig auch die Verbindung vom Hotel zum Haupteingang der Meistersingerhalle. Die Anbindung ist daher als Glaskubus vorgesehen, welcher als Windfang sowohl für die neue als auch für die alte Halle dient. Finden keine Veranstaltungen statt, kann dieser kleine Pavillon als Durchgang offenbleiben, um so die verloren gegangene Verbindung wiederherzustellen.

Der Eingangs-Vorbau im Westen der Meistersingerhalle wird nach Norden verlängert. Das Foyer des kleinen Saals erhält einen großzügigeren Eingang und einen angemessenen Ticketsaal. Durch die zugewonnenen Raumbereiche entsteht ein breiterer Durchgang zur Garderobe sowie ein neuer Cateringbereich. Die Meistersingerhalle erhält eine klare Eingangshierarchie entsprechend der unterschiedlichen Saalgrößen: großer Saal, kleiner Saal und Konferenzbereich.

Fassade – ein Haus mit zwei Gesichtern

Die den Saal umgebenden Foyerbereiche sind von einer Glasfassade umgeben. Bei Tag spiegelt diese den Himmel und die Umgebung wider. Auf der glatten Haut entstehen Reflexionen und Lichtspiele. Abends, mit Veranstaltungsbeginn, gehen im Foyer die Lichter an und die gläserne Haut wird transparent. Das steinerne Volumen des Saals leuchtet warm und rau aus dem Inneren des Gebäudes. Von der Straße kann man die Besucher auf der großen Treppe und den Foyer Ebenen sehen. Die Fassade bildet die zweite Hülle um den Konzertsaal und sorgt zusammen mit dem Zweischaligen Dachaufbau für den nötigen Schallschutz vor Straßen- und Stadtlärm beim leisesten Pianissimo.

Ansichten - Tag und Nacht

Ein Haus im Park und ein Park im Haus

Das neue Konzerthaus bringt den Park zurück zur Stadt. Auf der großen Dachscheibe entstehen neue Parkflächen mit Gründächern und Bäumen. Zusammen mit dem Baumbestand um das Konzerthaus verschatten Sie große Teile der Glasfassaden natürlich. Die Pflanzbereiche sind durch große Überzüge auf dem Dach gegliedert, die sich rhythmisch vom Zentrum des Gebäudes, dem Konzertsaal, auffächern. Über den für die Erschließung des Saales notwendigen Foyer Ebenen entstehen in der Glaskiste Gewächshäuser auf der Ost-, Süd- und Westseite mit weiterem Pflanz- und Baumbestand. Neben der Verschattung durch die Pflanzen, erzeugen diese Gewächshäuser eine eigene Klimazone im Haus, deren klimatische Anforderung nicht den Foyer Bereichen entsprechen muss. Sie dienen als Klimapuffer und Schallschutz vor Außenlärm. Durch die sich in den Gewächshäusern bildende Thermodynamik, können Sie als Motor für eine halb-natürliche Belüftung des Hauses vor und nach Veranstaltungen genutzt werden. Im Sommer entweicht die warme Luft aus den Gewächshäusern und zieht die verbrauchte Luft aus Foyer und Saal nach. Im Winter wird die Luft aus den Gewächshäusern zur Lüftungsanlage zurückgesaugt und dort zur Vorwärmung der Saalzuluft genutzt. Während Konzerten wird der Saal vollständig und getrennt mechanisch belüftet.

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Leipziger Straße 56
10117 Berlin

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